Grundlagen
Modellierung
Um ein Traversensystem statisch berechnen zu können, muss aus der Konstruktion ein Modell erstellt werden. Aus dem Modell wird
anschließend eine Vereinfachung erzeugt, die sogenannte
Bereits beim Zeichnen mit AutoSTAGE erfolgt eine erste Modellierung. Dabei stehen dem Anwender Werkzeuge und Workflows zur Verfügung, mit der eine Traversenkonstruktion so zusammengebaut wird, dass diese bereits optimal für die Berechnung vorbereitet ist.
Beim Zeichnen werden einzelne Traversenstücke direkt miteinander verbunden, wie dieses in der Realität ebenfalls der Fall ist.
Alle Gewichte, wie z. B. Scheinwerfer oder Lautsprecher, werden als Verbraucher der Traverse betrachtet, die die Trageleistung der Traverse verbrauchen. Alle Verbraucher werden mit der Traverse verbunden, in der Traverse entsteht ein komplettes Modell der jeweiligen Abhängigkeiten. Das gilt auch für Abhängepunkte, Motoren oder Traversenstehern, die beim Einfügen mit der Traverse verbunden werden und diese in der Höhe halten. Abhängepunkte, Motoren oder Traversenstehern werden auch als Supports bezeichnet.
Beim Starten der Berechnung wird die Modellierung aus den Traversen in den Statikkern übertragen und dort eine weitere Modellierung angewendet, so dass die Berechnung mit einem für den Statikkern optimierten Modell durchgeführt wird.
Idealisierung
Bei der Idealisierung erfolgt eine Vereinfachung der komplexen Struktur einer Traverse sowie von Abhängigkeiten und Wechselwirkungen der Verbraucher und Supports. So wird zum Beispiel das komplexe Gitterträgerwerk der Traversen zu einem einfachen Stab reduziert. Diese Vereinfachung ist notwendig, da die Berechnung jedes einzelnen Bestandteils des Gitterträgerwerks einer Traverse sehr aufwendig ist und in der Praxis nicht effizient im Rahmen einer Automatisierung durchgeführt werden kann.
Durch die Vereinfachung werden Eigenschaften der Traverse reduziert und bestimmte Annahmen getroffen, so dass die Idealisierung die reale Traverse nur sehr vereinfacht, und damit zum Teil auch fehlerhaft, beschreibt. Die Vereinfachung ist dennoch zulässig, wenn die Annahmen über den idealisierten Stab großzügig bemessen sind und angemessene Korrekturfaktoren angewendet werden.
Die Idealisierung ist ein üblicher Vorgang in den Ingenieurwissenschaften, um komplexe Eigenschaften und Prozesse in der Natur und Technik soweit runterzubrechen, dass diese bearbeitet und bewertet werden können.
Prüffähige Statik
Können die mit VStatics berechneten Punktlasten als Nachweis verwendet werden, oder müssen diese nochmals von einem Statiker geprüft werden?
Mit VStatics werden Punktlasten und Traversenbemessungen (wie oben beschrieben) anhand eines idealisierten Modells aus dem Inhalt der Zeichnung berechnet. Dabei werden automatisiert vordefinierte Annahmen für die Berechnung verwendet.
Das Ergebnis ist eine prüffähige Statik, die von einem unabhängigen Prüfingenieur (einem Bauingenieur, allgemein auch als Statiker bezeichnet) kontrolliert werden kann.
Eine prüffähige Statik, auch als bautechnischer Nachweis bezeichnet, ist eine formelle und lückenlose Dokumentation zur Standsicherheit. Sie enthält alle Berechnungen und Nachweise, die ein unabhängiger Prüfingenieur benötigt, um die Konstruktion rechnerisch und physikalisch nachzuvollziehen und abzunehmen.
Es hängt davon ab, ob derjenige, bei dem die berechnete Statik eingereicht wird, eine prüffähige Statik oder eine geprüfte Statik benötigt. Bei einer geprüfte Statik muss eine unabhängigen Prüfingenieur die Berechnung nochmals kontrollieren und mit seinem Stempel beurkunden.
Oft reicht eine prüffähige Statik zum Nachweis der statischen Berechung einer Konstruktion aus, es sei denn, der Besteller verlangt eine geprüfte Statik. Dann ist der Gang zum Prüfingenieur notwendig.
Die vorhandene, mit VStatics erstellte statische Berechnung kann dann als Grundlage für die Prüfung verwendet werden. Bei jeder Berechnung werden umfangreiche Protokolle und weitere Daten erstellt, die der Prüfingenieur für die Prüfung verwenden kann.